Mobbing im Internet – Es kann jeden treffen!

Mobbing im InternetMobbing im Internet. Ein heikles Thema, welches in Zeiten von Facebook & Co aktueller ist denn je. Viele der Mobbing-Opfer sind aufgrund des teilweise monatelang anhaltenden Psychoterrors seelisch völlig am Ende. Einige von ihnen haben als letzten Ausweg nur noch eines gesehen, den Suizid… Derweil wähnen sich die Täter in der vermeintlichen Anonymität des Internets in Sicherheit.

Dieser Artikel soll zeigen, dass es durchaus möglich ist, sich zu wehren! Vor einigen Jahren war ich selber Opfer solcher Mobbing-Attacken. Und ich habe mich gewehrt! Es war nicht leicht, ich brauchte viel Geduld und starke Nerven, aber ich habe es geschafft!

Zur damaligen Zeit war ich Operator (Lotse) in einem Chat. Die Aufgabe der Lotsen bestand im wesentlichen darin, den Chat “sauber” zu halten, sowie Störenfriede in ihre Schranken zu weisen, sie gegebenenfalls zu kicken und deren Zugänge zu sperren.

Letzteres ging in der Regel recht unspektaktulär über die Bühne. Kleinere Beschimpfungen waren an der Tagesordnung, daran hatte man sich schnell gewöhnt, aber… EIN User, der kam offenbar nicht damit zurecht, dass er gekickt und gesperrt wurde. Er hatte schon immer für Unruhe gesorgt und insbesondere Userinnen beleidigt. Unglücklicherweise war ich meist “im Dienst”, wenn das passierte. So kam es also, dass “Pac-Man” zu seinem Feindbild Nummer 1 wurde und das bekam ich dann auch zu spüren bzw. zu lesen. Zunächst begann er, mich nur im Chat aufs übelste zu beschimpfen und zu beleidigen. Bald weitete er das ganze auf das Gästebuch meiner Homepage aus. Hier siehst du einige Auszüge seiner Hasstiraden (Die Bilder werden größer, wenn du sie anklickst):

Auszug aus meinem Gästebuch, Einträge des Cybermobbers
Auszug aus meinem Gästebuch, weitere Einträge des Cybermobbers

Wäre es bei den Beschimpfungen geblieben, hätte ich von rechtlichen Schritten wohl Abstand genommen, in der Hoffnung, dass ihm das ganze irgendwann zu langweilig wird. Als jedoch die ersten Mails von Homosexuellen bei mir eingingen, war für mich eine Grenze überschritten. Ich möchte betonen, dass ich defintiv nichts gegen Homosexuelle habe, aber bei Mails mit detaillierten Beschreibungen und Bildern diverser Sexpraktiken, hörte der Spaß bei mir auf.

So entschloss ich mich also, zur Polizei zu gehen und Anzeige zunächst gegen Unbekannt zu erstatten. Vorher hatte ich sämtliche Beleidigungen etc. als Screenshots ausgedruckt, damit ich bei der Polizei auch etwas vorweisen konnte. Was der Täter offenbar nicht wusste oder schlicht nicht ernst genommen hatte war, dass sämtliche seiner Aktionen, sowohl im Chat als auch in meinem Gästebuch, mitgeloggt wurden inclusive seiner IP-Adresse mit minutengenauer Uhrzeit. Damit hat er quasi einen unverkennbaren Fingerabdruck hinterlassen.

Einige Wochen später wurde der Mobber durch die Staatsanwaltschaft Cottbus erfolgreich ermittelt:

Erfolgreiche Ermittlung des Mobbers durch die Staatsanwaltschaft Cottbus

Wie du dem letzten Absatz dieses Schreibens entnehmen kannst, wollte bzw. konnte die Staatsanwaltschaft keine Anklage erheben. Das öffentliche Interesse wurde damals nicht bejaht. Ob das heute immer noch so wäre…? Wie auch immer, die Polizei hat mir geraten, den Weg des Zivilprozesses einzuschlagen, meine Chancen stünden sehr gut, Schmerzensgeld zu erhalten. Über die Rechtsanwaltskammer Berlin/Brandenburg erhielt ich die Adresse eines Anwaltes, der mit Medienrecht bereits Erfahrung hatte.

Nachdem ich ihm alle Unterlagen, Screenshots etc. überlassen hatte, begann er mit seiner Arbeit. Ich brauchte mich praktisch um nichts mehr zu kümmern. Ich wurde aber über jeden Schritt schriftlich und auch telefonisch informiert.

Im folgenden zeige ich die wichtigsten Schreiben. Das wichtigste zuerst, die Unterlassungserklärung des Täters:

Unterlassungserklärung des Täters

Als nächstes ging es um die Höhe des Schmerzensgeldes. Das erste Angebot des Anwaltes der Gegenseite wurde seitens meines Anwaltes mit sehr deutlichen Worten abgelehnt:

Verhandlung über die Höhe des Schmerzensgeldes

2500 Euro wurden es dann leider nicht, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters mussten Berücksichtigung finden:

Einigung über die Höhe des Schmerzensgeldes

Zusätzlich zu den 500 Euro Schmerzensgeld musste der Täter meine kompletten Anwaltskosten bezahlen. Diese beliefen sich auf circa 1000 Euro.

14 Monate später dann endlich konnte die Akte geschlossen werden. Ich war froh, mein Anwalt war froh und Dell war auch froh (ich habe mir von dem Geld nämlich einen neuen Rechner gekauft). Der einzige, der wohl nicht wirklich froh war, das war der Täter. Von ihm habe ich nie wieder irgend etwas gelesen oder gehört…

Dieser Artikel soll mahnen und Mut machen zugleich. Die Mahnung geht an potentielle Täter und an diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, auch mal “jemanden fertig zu machen”! Zu glauben, ihr seid anonym im Internet unterwegs, ist ein Trugschluss! Also überlegt euch lieber zweimal, was ihr tut oder besser lassen solltet!

Mut machen soll dieser Artikel den zahlreichen Opfern dieses Cyber-Mobbings. Lasst euch diesen Psycho-Terror nicht gefallen! Ihr seht, man kann sich wehren! Selbst wenn es ein langer und anstrengender Weg ist, lasst nicht zu, dass der Täter ungeschoren davonkommt. Sorgt dafür, dass diese Leute so etwas nie wieder machen! Damit verhinderst du vielleicht sogar, dass es weitere Mobbing-Opfer gibt.

In diesem Sinne… Was du nicht willst, das man dir tut, das füg’ auch keinem and’ren zu… :-)

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6 Antworten auf Mobbing im Internet – Es kann jeden treffen!

  1. daniel sagt:

    hätte ich nicht gedacht, dass es dann doch über einen zivilrechtlichen Prozess möglich ist
    sehr gut und detailliert dargestellt, danke!

  2. Anka sagt:

    Ich kann mich noch sehr gut an den Fall erinnern , eine Zeitlang hat er auch mein damaliges Gästebuch vollgemüllt, aber bei mir hat sich der Spacken dann sehr schnell wieder beruhigt. War ganz schön turbulent. Aber du hast es ja hingebogen. Also ein kleiner Hoffnungsschimmer für diejenigen die meinen es wär Hoffnungslos und deshalb Angst haben sich zu wehren. Meine Tochter hat mal eine Morddrohung bekommen, wir haben das ganze ebenfalls zur Anzeige gebracht, leider konnte man nicht genau Nachweisen wer damals den Rechne benutzt hat und somit wurde die Klage fallengelassen. AAAAbber … auch der Täter hat nie wieder etwas von sich hören bzw. lesen lassen.

    LG
    Anka

    • Pac-Man sagt:

      Hui, eine Morddrohung ist natürlich noch mal ein ganz anderes Kaliber. Aber sehr gut, dass ihr auch dagegen vorgegangen seid und dass jetzt Ruhe ist.

      Ich denke auch, dass viele Opfer Angst haben oder sich sogar schämen, aber dafür gibt es keinerlei Grund. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei oder ein Anwalt jemanden auslachen oder nicht ernst nehmen würde.

  3. Kathrin sagt:

    Ich finde es total mutig, dass alles zur Anklage zu bringen, denn ich denke, die meisten scheuen diesen Weg.
    Aber ich glaube, dass viele der Typen, die diesen vermeintlich rechtsfreien Raum ,nutzen, um ihre angestauten Aggressionen los zu werden, erst dann wach werden, wenn es ihnen an den Geldbeutel geht.
    Finde ich übrigens echt bemerkenswert, dass zuerst der Anwalt abbezahlt wird und dann erst das Schmerzensgeld…..

    „Juristen sind Leute, die die Gerechtigkeit mit dem Recht betrügen.“
    Harold Pinter

    • Pac-Man sagt:

      Naja, ich hatte halt keine Advo-Card… :D

      Nee, im ernst: Das lag an meiner Rechtsschutzversicherung. Die hat (haltet euch fest!) von den 1000€ exakt 1,21€ (in Worten ein Euro einundzwanzig) übernommen. Der Anwalt ist also in Vorkasse getreten, ohne zu wissen, ob der Täter überhaupt zahlt. Insofern war das schon völlig ok so. Dass ich die so genannte “Versicherung” dann sofort gekündigt habe, muss ich wohl nicht extra erwähnen, denke ich… ;-)

  4. Vince sagt:

    find ich gut :)

    Ich finde du hast genau das Richtige getan. Wie Edmund Burke so schön sagte: Für den Triumpf des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.

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